Melinda Matern

Die bessere Hälfte?!

Die Arbeit von Melinda Matern beschäftigt sich mit der Thematik, ob ein natürlicher Körper einem Kultivierten, oder auch umgekehrt, ein kultivierter Körper dem Natürlichen, ästhetisch vorzuziehen ist. Um sich dieser Fragestellung visuell anzunähern, entstanden, an die Modefotografie angelehnte, Menschenbilder. Von Besonderheit ist dabei die Tatsache, dass eine Hälfte des Körpers natürlich gestaltet ist und die andere Hälfte in kultiviertem Glanz erscheint. In diesem Sinne ist ein Teil des Körpers von Kleidung bedeckt, während der andere nackt ist.

Auf den ersten Blick mutet die Entscheidung, welche Form des Körpers besser gefällt, einfach an, gereicht der Gedanke jedoch zur Reflexion, so mehren sich die Fragen. „Wieso empfinde ich diese Hälfte als die Schönere bzw. als die Bessere? Nach welchen Kategorien habe ich den Körper bewertet? Welche Vergleiche habe ich hinzugezogen? Was sagt meine Entscheidung über mich selbst aus? Welchen Bezug habe ich zu Kleidung und Mode? Und wie fühle ich mich beim Betrachten von Nacktheit? Habe ich mich richtig entschieden? Was hat meine Entscheidung eigentlich beeinflusst? Und wieso hat er/sie sich für die andere Hälfte entschieden?“

Und auf den zweiten Blick?

Über die Künstlerin: „Ich bin von der Realität enttäuscht. Das ist auch der Grund, weswegen ich anfing zu fotografieren. Ich wollte und will aus dem Alltäglichen flüchten, der Realität Einhalt gebieten, der Vergänglichkeit trotzen und das Allgegenwärtige wundersam darstellen. Ein Stück Traum sozusagen. Herausgerissen. Ein Moment des subjektiven Verständnisses der Welt. Phantastisch und Facettenreich. Und doch bezogen auf die konstituierte Wahrheit unseres Seins… Im Wechselspiel tritt der Mensch auf. Unergründlich und doch direkt.  Mit den Worten Friedrich Dürrenmatts: Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie. Letztlich ist es das intensive Erleben des Moments, was mich bezaubert und vorantreibt. So ist es ein Genuss die Persönlichkeit eines Menschens, die Ruhe eines Tieres oder auch die Farbigkeit einer Blume zu entdecken und darzulegen. Mein Genuss liegt im Detail.“